Vita von Dr. Burkhart Veigel

Burkhart Veigel

Schwarzer
In der Zeit als "Schwarzer", als aktiver Fluchthelfer.

Geboren 1938 in Thüringen, aufgewachsen in Schwaben, Mensch geworden in Berlin.

Medizin-, Jura- und Philosophie-Studium vor allem in West-Berlin, z.T. unterstützt durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Facharzt-Ausbildung zum Unfallchirurgen und Orthopäden in Hannover und Tübingen. 30 Jahre eigene orthopädische Praxis in Stuttgart.

1961 – 1970 einer der aktivsten und erfolgreichsten Fluchthelfer in Berlin.

Seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben 2007 lebe ich wieder in Berlin, um über die Vergangenheit der geteilten Stadt, speziell über Flucht, Fluchthilfe, Stasi und Spitzel zu forschen. Daraus ist mein Buch "Wege durch die Mauer - Fluchthilfe und Stasi zwischen Ost und West" entstanden. Das dafür zusammengetragene Archivmaterial - und meine aufbewahrten Notizbücher, Aufzeichnungen, Quittungen und Prozessakten - habe ich 2015 der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur übergeben und ist dort über die entsprechenden Findbücher einzusehen.

2016 habe ich der Bundesstiftung eine Spende zukommen lassen, die es der Stiftung ermöglicht, jährlich ab 2017 den "Karl-Wilhelm-Fricke-Preis" in Höhe von 20.000.-€ zu vergeben. Er zeichnet Menschen und Institutionen aus, die sich um die Aufarbeitung totalitärer Regime verdient gemacht haben oder verdient machen. Ab 2018 wird außerdem ein Förderpreis in Höhe von 5.000.-€ vergeben.

2012 erhielt ich das Bundesverdientkreuz.

Seit 2012 ist die Schriftstellerin Roswitha Quadflieg meine Lebensgefährtin.

Burkhart Veigel
An den Mauerresten in der Bernauer Straße, 2013.

Bundesverdienstkreuz

Dr. Burkhart Veigel
Foto: Milena Schlösser

Hasso Herschel, Dieter Hötger, Hubert Hohlbein, Ralph Kabisch, Klaus von Keussler, Joachim Neumann, Ulrich Pfeifer, Hartmut Richter, Joachim Rudolph, Wolfhardt Schroedter, Peter Schulenburg, Harry Seidel, Jürgen Sonntag, Rudi Thurow und ich, alles ehemalige Fluchthelfer, erhielten am 29.10.2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande durch den Staatssekretär von Innensenator Henkel in Berlin ausgehändigt.

Natürlich nehmen wir alle diese Ehrung stellvertretend für die vielen anderen Fluchthelfer entgegen, die jetzt nicht ausgezeichnet wurden. Ich persönlich widme mein Verdienstkreuz ausdrücklich auch den an der Grenze erschossenen Fluchthelfern Dieter Wohlfahrt, Heinz Jercha und Siegfried Noffke und den verstorbenen Fluchthelfern wie Detlef Girrmann, Dieter Thieme, Bodo Köhler, Wolfgang Fuchs, Reinhard Furrer, Christian Zobel, Egon Hartung, Siegfried Lonscher etc.. Und ich widme es den bei ihrer Hilfe Verhafteten, die die Knute der Diktatur zu spüren bekamen. Da sich die jetzige Ehrung vor allem auf „Tunnelgräber“ konzentrierte, möchte ich aber auch die vielen „Passfälscher“ und „Autoumbauer“ durch meine Ehrung geehrt wissen – alle idealistischen Fluchthelfer!

Ich freue mich bei der Auszeichnung besonders darüber, dass in der Politik und in der öffentlichen Wahrnehmung offensichtlich ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat in der Form, dass Fluchthelfer keine Störenfriede der Politik des Wandels durch Annäherung mehr sind, sondern ehrenwerte Mitbürger!

Verleihung Bundesverdienstkreuz
Der große Augenblick.